Episode 25: Allein sein

Shownotes

Allein sein hat in unserer Gesellschaft ein Imageproblem. Wir füllen jeden Moment. Wir fürchten die Stille. Und dabei verpasst unser Gehirn genau das, was es am dringendsten braucht. Diese Folge schaut auf die Neuropsychologie des Alleinseins: Was passiert im Gehirn, wenn wir wirklich still sind? Warum ist Einsamkeit neurologisch etwas völlig anderes als Solitude? Und wie trainiert man die Fähigkeit, sich mit sich selbst wohlzufühlen – ohne Ablenkung, ohne Performance, ohne Lärm?

Key Takeaways

  • Wir fliehen instinktiv vor der Stille, weil das dopaminerge System immer nach dem nächsten Input sucht. Das ist keine Schwäche – das ist Neurobiologie. (Timothy Wilson, University of Virginia)
  • Einsamkeit und bewusstes Alleinsein aktivieren neurologisch völlig unterschiedliche Hirnregionen. Einsamkeit aktiviert das Schmerzsystem (anteriorer cingulärer Kortex). Solitude aktiviert das Default Mode Network. (Naomi Eisenberger, UCLA)
  • Das Default Mode Network ist kein Standby-Modus. Es konstruiert deine Identität, verarbeitet Erinnerungen, ermöglicht Kreativität und Empathie. Es braucht Stille, um seine Arbeit zu tun. (Marcus Raichle, Washington University)
  • Zehn bis zwanzig Minuten täglicher, ablenkungsfreier Stille verbessern nachweislich Fokus, emotionale Regulation und Cortisolspiegel.
  • Die „Capacity to be alone" (Donald Winnicott) ist eine erlernbare Reifeleistung – keine angeborene Eigenschaft. Wer sie hat, trägt sich selbst. Wer sie nicht hat, ist dauerhaft auf das Außen angewiesen.
  • Wer sich mit sich selbst wohlfühlt, bringt in jede Beziehung eine Person mit, die wirklich etwas zu sagen hat.

Erwähnte Konzepte & Forschende

  • Default Mode Network & Ruhezustandsaktivität – Marcus Raichle, Washington University in St. Louis
  • Soziale Ausgrenzung & Schmerzsystem – Naomi Eisenberger, UCLA
  • Capacity to be alone – Donald Winnicott (1958)
  • Alleinsein mit den eigenen Gedanken – Timothy D. Wilson, University of Virginia
  • Loneliness vs. Solitude – Paul Tillich: „Einsamkeit drückt den Schmerz des Alleinseins aus. Solitude drückt die Herrlichkeit des Alleinseins aus."

Quellen & Wissenschaft

  • Wilson, T.D. et al. (2014): Just think: The challenges of the disengaged mind. Science, 345(6192), 75–77.
  • Raichle, M.E. et al. (2001): A default mode of brain function. PNAS, 98(2), 676–682.
  • Eisenberger, N.I., Lieberman, M.D. & Williams, K.D. (2003): Does rejection hurt? An fMRI study of social exclusion. Science, 302(5643), 290–292.
  • Buckner, R.L., Andrews-Hanna, J.R. & Schacter, D.L. (2008): The brain's default network: anatomy, function, and relevance to disease. Annals of the New York Academy of Sciences, 1124(1), 1–38.
  • Sanders, M. et al. (2017): Cortisol regulation during solitary reflection. Psychoneuroendocrinology, 80, 101–109.
  • Winnicott, D.W. (1958): The capacity to be alone. International Journal of Psycho-Analysis, 39, 416–420.
  • Oppezzo, M. & Schwartz, D.L. (2014): Give your ideas some legs: The positive effect of walking on creative thinking. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 40(4), 1142–1152.

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No Balance. Just Better Moves 🪩

Transkript anzeigen

00:00:06: Willkommen bei The Brain Behind, deinem Podcast für gehörngerechte Kommunikation, mentale Klarheit und smarte Moves im echten Leben.

00:00:21: Mein Name ist Anne, Gründerin der Change- und Kommunikationsberatung Constant Change, Creator von the Narrow Groove und host dieses Podcasts.

00:00:29: Hier bekommst du wissenschaftliche Impulse für ein leichter Umgang mit Druck und Stress und die Message, dass Du mit Deiner Herausforderung alleine bist!

00:00:41: Vielen Dank fürs Reinhören Und viel Spaß mit dieser Episode!

00:00:52: Ich habe die letzten Wochen was gemacht, was ich sehr lange nicht gemacht habe.

00:00:57: Vielleicht kennst du das auch?

00:00:59: Stell dir mal vor, du fährst vielleicht alleine Auto oder Bahn oder sonst irgendwas und aus einer alten Gewohnheit heraus oder insgesamt aus Gewohnheiten heraus streckst du irgendwie deine Hand so Richtung Radio oder Handy oder die Airpods oder in den Kopfhörer und was auch immer Und dann hältst du immer kurz inne und du machst einfach gar nichts.

00:01:23: Kein Podcast rein, kein Radio rein, keine Musik rein – einfach mal nichts!

00:01:29: Wenn du so beobachtest was bei dir passiert auf einmal gehen die Gedanken los vielleicht nach kurzer Zeit schon.

00:01:38: manchmal braucht es ein bisschen länger und dein Kopf beginnt dann auf einmal an Dinge zu denken an die er schon lange denken wollte Du ihm aber tatsächlich nicht die Chance gegeben hast, weil du ihn immer mit weiteren Reizen gefüllt hast.

00:01:51: Zum Beispiel kommt da dann ein Gespräch in deinen Gedanken was du vielleicht noch nicht geführt hast eine Entscheidung, die du vielleicht vor dir her schiebst oder vielleicht kommt da irgendein anderes Gefühl hoch und irgendwas ist in deinem Kopf was du halt nicht ganz benennen konntest.

00:02:05: Und auf einmal bist so hellwach und du bist voll da und nicht weil du irgendwie den nächsten Koffeinschott genommen hast sondern weil du mit dir alleine warst und dich mal mit dir und deinen Gedanken, mit dem was da ist, mal zumindest ganz kurz auseinandergesetzt hast.

00:02:20: Und ich, also ich kenne das Gefühl jetzt speziell aus den letzten Wochen wahnsinnig gut – das auch sehr bewusst gemacht – und ich wette dass du es auch kennst dieses irgendwie vielleicht merkwürdige aber auch seltsam vertraute Gefühl, das auftaucht wenn du mal ganz kurz aufhörst dich selber ständig mit äußeren Reizen einflüssen und Eindrücken zu betäuben.

00:02:45: Und trotzdem füllen wir oder wollen wir jeden freien Moment fülen, den Podcast rein die Serie rein Instagram scrollen TikTok was auch immer den Fernseher an das Radio an als wer stille etwas dass es zu Füllen gibt.

00:03:03: Also, jetzt müssten wir ständig diese Stille mit irgendwas füllen und als wäre allein sein was, was wir tunlichst vermeiden sollten.

00:03:12: Dabei ist diese Fähigkeit alleine zu sein also wirklich allein ohne Ablenkung oder Lärm eigentlich auch nicht im Auto sitzen sondern wirklich ganz allein sein.

00:03:23: Es ist eine der mächtigsten Ressourcen die du in dir trägst Und gleichzeitig ist es eine, die am meisten vernachlässigt ist.

00:03:35: Die neue Wissenschaft hat in den letzten Jahren etwas sehr Klares dazu gesagt und ich finde – wenn man sich das auch noch mal vor Augen führt was ich gleich tun werde dann verändert es vielleicht nochmal diesen Punkt wie man auf Stille schaut, auf Langewelle schaut und auch auf eigene Stille und die Zeit mit sich selber schaut!

00:03:53: Hi und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von The Brain Behind dem Podcast.

00:03:58: für Menschen, die viel tragen und mit Veränderungen umgehen müssen.

00:04:01: Und die Dinge wirklich verstehen wollen – und für alle, die Lust daran haben, Dinge fürs Leben zu lernen, die bislang in der Schule noch keinen Platz finden!

00:04:10: Ich freue mich, dass du heute wieder dabei bist.

00:04:27: Und paradoxerweise sogar verbundener Macht.

00:04:31: Ich schaue heute mal auf das, was dein Gehirn braucht wenn alles andere weg ist und alle anderen auch weg sind.

00:04:38: Warum wir instinktiv aus stille und langeweile Flüchten?

00:04:43: Wir schauen noch einmal darauf, dass Einsamkeit und dieses bewusste Alleinsein neurologisch-fundamental voneinander trennt.

00:04:49: Das ist ein wahnsinnig wichtiger Unterschied!

00:04:53: Und warum auch?

00:04:54: das Netz, was du dir selber aufbaust... Das stabilste Netz ist, dass du je haben kannst.

00:04:59: Und am Ende erzähle ich dir noch was du ganz konkret mitnehmen kannst.

00:05:02: und Spoiler!

00:05:03: Es geht nicht darum jetzt ein Einsiedler zu werden oder sich ständig in Isolation zu begeben sondern es geht vielmehr darum das du wieder einen Stück weit vertrauter zu dir selber bist.

00:05:16: Fangen wir mit einem kurzen Experiment an.

00:05:18: also ich fasse dir jetzt ein Experiment zusammen was mich ehrlich gesagt ziemlich beschäftigt hat Und zwar der Timothy Wilson, der ist Psychologe an der University of Virginia.

00:05:29: Der hat Menschen in einen leeren Raum gesetzt und Wilson und sein Team haben versuchsperson einzelnen in den leerenraum gesetzt?

00:05:38: Und da gab es gar nichts!

00:05:39: Also das war leer.

00:05:40: Kein Handy, kein Buch, keine Ablenkung, nichts... ...und die Aufgabe war relativ simpel einfach mit den eigenen Gedanken zu sitzen.

00:05:48: Und je nach Studie waren das sechs bis fünfzehn Minuten.

00:05:51: vorher hatten die Teilnehmenden in einem anderen Test einen leichten Elektroschock bekommen und bewertet, wie unangenehm der war.

00:06:00: Die meisten sagten bei diesem Elektroschoch in dem Experiment vorher das der ziemlich unangênem war und dass sie den nicht noch mal haben wollen würden.

00:06:08: So jetzt kommt aber der Clou.

00:06:10: dann saßen die alleine im Raum Und die hatten die Möglichkeit es war das einzige was sie tun konnten sich selbst wieder diesen Schock zu geben wenn Sie wollten.

00:06:20: Das faszinierende Ergebnis Siebensechzig Prozent der Männer und fünfundzwanzig Prozent der Frauen gaben sich mindestens einmal freiwillig einen Elektroschock.

00:06:32: Einer, der hat es dann wirklich komplett auf die Spitze getrieben, der hatte sich innerhalb von fünfzehn Minuten sogar hundertneunzig Mal diesen Elektro-Schock gegeben.

00:06:42: Die Aufgabe war's eigentlich einfach nur da zu sitzen und nichts zu tun.

00:06:47: Kurzer Einschöpier warum der Geschlechter unterschied?

00:06:50: kann man immer noch nicht abschließend klären.

00:06:51: Eine Hypothese dazu ist, dass Männer eher dazu neigen oder stärker dazu neigen, lange Weile durch externe Stimulation zu bekämpfen – aber das ist rein spekulativ.

00:07:02: hier an der Stelle möchte ich nochmal klarstellen!

00:07:04: Nur was dieses Experiment eigentlich misst?

00:07:07: Das geht nicht darum, dass Menschen masochistisch veranlagt sind und sich da irgendwie selbst verletzen sondern... Es geht darum, dass das Gehirn eine aktive Stimulation – also selbst nur Unangenehme, die haben diesen Elektroschock her als wahnsinnig unangenehm vorher bewertet.

00:07:21: Dass der Mensch das als erträglicher erlebt?

00:07:24: Als das nichts!

00:07:27: Leere fühlt sich für viele Menschen bedrohlicher an als Schmerz und das ist der eigentliche Befund.

00:07:33: Das ist das was das Experiment herausgefunden hat und das auch das was ich persönlich so faszinierend finde.

00:07:39: Und der Wilson fasste es selber so zusammen Der ungesteuerte Geist, der macht sich nicht einfach leer.

00:07:47: Sondern er dreht sich dann im Kreis, der springt zu ungelösten Problemen, zu Sorgen, zu unangenehmen Gedanken und für viele Menschen ist es so unangênemen dass sie selbst dann lieber ein Elektroschock nehmen als ich mit diesen Gedanken und dem was da passiert auseinanderzusetzen.

00:08:07: Was das Experiment noch mal eindrucksvoll zeigten, es war auch erst aus dem Jahr.

00:08:11: Es ist also nicht so lange her.

00:08:13: Das ist folgendes... Wir haben verlernt allein zu sein weil wir in der Welt leben die uns jede Sekunde etwas anbietet.

00:08:24: Jede Sekunde etwa womit wir Lehre füllen können.

00:08:28: und das Gehirn, dass ja immer den Weg des geringsten Widerstands sucht Das greift dankbar zu.

00:08:34: und jede Notification, jede Scroll-Bewegung.

00:08:37: Jede autoangespielte Serie übrigens, so Netflix alle Strategie Leute, denkt mal drüber nach die alle aktivieren das Dopaminäge und es hat mich schon in der letzten Folge dieses Dopaminärgesystems.

00:08:50: und dass ist das Suchsystem im Gehirn Und das kennt ihr schon aus den letzten Folgen dieser mehr Folge, denn das ist das System, dass es nichts für Zufriedenheit gebaut.

00:09:00: Also, dass wir irgendwann dann auch happy damit sind wenn wir genügend Zähre geguckt haben sondern Das ist fürs Weitermachen gebaut.

00:09:06: also immer weiter, immer weiter... Das bedeutet Ablenkung fühlt sich kurzfristig immer besser an als die Stille Immer und das ist Neurobiologie Und so und das is jetzt entscheidend.

00:09:20: was wir durch diese permanente Ablenkung verpassen ist nur was, was unser Gehirn ganz dringend braucht.

00:09:26: Und das ist etwas, was nur in so einer Stille passiert – ins Solitude nennt man es auch und etwas für das eben ein ganz anderes Netzwerk verantwortlich ist und was es in uns gibt.

00:09:36: Dieses Netzwerk steht bei den meisten von uns seit Jahren unter Dauerstress.

00:09:47: Bevor ich dir erkläre, was in der Stille passiert, ist es wichtig einen Unterschied noch einmal herauszuarbeiten Einer, der wichtiger ist bzw.

00:09:57: der mir gar nicht so bewusst war und den ich hier gerne nennen würde – und zwar es gibt zwei Arten alleine zu sein!

00:10:04: Und diese beiden Arten aktivieren völlig unterschiedliche Teile deines Gehirns.

00:10:08: Die erste Art allein zu sein das ist die Einsamkeit Das ist das Gefühl, alleine zu seien obwohl du es nicht willst.

00:10:16: Das ist dieses Gefühl Nicht gesehen zu werden, nicht verstanden zu werden nicht verbunden zu sein zu anderen Menschen Und das manchmal sogar mitten in einer Gruppe von Menschen.

00:10:25: Und da ist Einsamkeit, einsamkeit ist ein Schmerzsignal.

00:10:29: also das fühlt sich an wie Schmerzen.

00:10:30: Denn die Neurowissenschaft macht es auch radikal klar, die Naomi Eisenberger, von der hatte ich auch schon mehrere Studien hier mal erwähnt im Podcast hat gezeigt dass soziale Ausgrenzung genau dieselben Regionen im Gehirn aktiviert wie körperlicher Schmerzt.

00:10:46: und diese Also mit anderen Worten, wenn du dich einsam fühlst dann tut das einfach weh.

00:10:54: Dann tut es so wie wenn du echten körperlichen Schmerz erfahren würdest und das ist nachweisbar.

00:11:00: also dieser Einsamkeitsschmerz diese soziale Ausgrenzung hat genau den gleichen Effekt als körperlicher Schmerzen.

00:11:09: Das kommt aus der Evolution macht auch total Sinn Denn unser soziales Bindungssystem hat sich um uns das überleben zu sichern An dieses Schmerzsystem angehängt, denn früher – also wirklich ganz, ganz früher – hat soziale Isolation bedeutet dass wir in Gefahr waren.

00:11:26: Dass wir im Zweifel nicht überleben werden.

00:11:28: Also das war dann Alarm!

00:11:30: So und jetzt kommt der entscheidende Unterschied.

00:11:32: die zweite Art allein zu sein ist das bewusste Alleinsein, die sogenannte Solitude.

00:11:38: Das heißt du entscheidest dich dafür alleine zu sein.

00:11:41: So als ich mich zum Beispiel auch damals entschieden habe ein Schweigekloster zu geben Ich hab' mich dafür entschieden Und du suchst die Stille.

00:11:47: Du trägst keine Einsamkeit in dir, sondern du trägbst Raum in dir und dem ... du willst diesen Raum, du willst ihm diese Einsamtheit geben oder nicht dieser Einsamkeits, sorry!

00:11:56: Sondern das bewusste Alleinsein geben.

00:11:59: In diesem Zustand wenn du dich bewusst dafür entscheidest allein zu sein also wenn du auch wirklich mal das Radio auslässt oder den Podcast ausläßt tatsächlich oder den Fernseher auslöst was auch immer In dem Augenblick aktiviert dein Gehirn was völlig anderes, es aktiviert das sogenannte DMN.

00:12:16: Das Default-Mode Network auf Deutsch ist auch das Ruhezustandsnetzwerk und das Netzwerk ist – und das ist diese große Neuigkeit der letzten zwanzig Jahre Hirnenvorherforschung – dass es nicht passiv!

00:12:30: Man dachte immer, wenn wir ruhen, keine äußeren Reize, also keine Impulse von außen kommen, dass unser Gehirne ruht.

00:12:41: Das ist nicht passiv.

00:12:42: Und der, es gibt, jemand hat das mal schön formuliert und diese Person schreibt – ich weiß leider nicht mehr von wem was ist – Einsamkeit drückt den Schmerz des Alleinseins aus und Solitude drückt die Herrlichkeit des Alleinseins aus.

00:12:58: Also das ist ganz wichtig nochmal zu differenzieren und zu verstehen einmal die Einsamkeiten und das Alleinseinen denn es sind zwei Wörter, das sind zwei Welten und das sind auch für unser Gehirn zwei komplett unterschiedliche Welten.

00:13:12: Und wenn ich hier eben davon spreche vom Alleinsein, dann spreche ich über die bewusste Entscheidung allein zu sein und eben nicht über die Einsamkeit.

00:13:21: Ich habe gerade schon erwähnt dass man lange Zeit eben dachte das das Gehirn in Ruhe inaktiv ist wie so ein Computer auf Standby ist aber eben weit gefehlt.

00:13:29: also das ist wirklich eine der interessantesten Erkenntnisse aus den letzten Jahren denn es gab Forscher die haben das Gehör mal im Ruhezustand beobachtet dass das Gehirn im, ja sie dachten rohe Zustand anders aktiv ist.

00:13:46: Und ganz bestimmte Regionen zündeten dann wie so ein Netzwerk, das nur auf seine Stunde wartete eigentlich, also sobald da Ruhe einkärte und die vorschannten das eben dann das Default Mode Netzwerk.

00:14:01: Das ist wenn wir das rein neurologisch betrachten eines der bedeutsamsten Systeme im menschlichen Gehirnen.

00:14:06: denn was macht dieses Netzwerk?

00:14:08: Das macht genau das, was du tust wenn du alleine bist und die Gedanken wandern lässt.

00:14:15: Es verarbeitet Erinnerung.

00:14:17: Es verbindet Vergangenes mit Gegenwärtigen.

00:14:20: Es plant die Zukunft.

00:14:22: Es stellt dir die Frage wer du bist wo du hin willst – und es antwortet ihr auch?

00:14:28: Und es baut Schritt für Schritt deine Identität!

00:14:30: Man ist ermöglicht ja auch dich in andere Menschen besser hinein zu versetzen.

00:14:35: da wird Empathie gebaut So seltsam das auch klingt, auch dass Verständnis für andere, für andere Situationen die Fähigkeit mit anderen verbundener zu sein entsteht in den Momenten der inneren Ruhe.

00:14:51: Und die Neurowissenschaftler nennen dieses – ich würde es fast schon als Phänomien bezeichnen!

00:14:56: Die nennen das den narrativen Selbstsinn.

00:14:59: Dein Gehirn schreibt in der Stille «die Geschichte deines Lebens weiter».

00:15:03: Das sortiert was passiert ist.

00:15:05: Das macht aus den Erfahrungen Sinn.

00:15:08: Und jetzt kommt aber auch die unbequeme Konsequenz.

00:15:11: Jedes Mal, wenn du das unterbricht – also wenn du zum Beispiel dein Handy rausholst sobald du eine Sekunde Lerlauf spürst – unterbreichst du diesen Prozess und du unterblichst dieses Default Mode Netzwerk, dass dir sehr, sehr hilft zu verstehen wer du eigentlich bist und es dir auch hilft Probleme zu lösen, die du noch nicht in Worte fassen kannst und das dir auch helft kreativ zu denken!

00:15:31: Also da entsteht auch Kreativität und auch Dinge zu verbinden und auch Bedeutung zu erzeugen.

00:15:36: Und vielleicht kennst du das auch, aber manchmal wenn man einfach nur irgendwie auf dem Rad losfährt oder wirklich mal spazieren geht ohne irgendwelche äußeren Einflüsse.

00:15:44: Da kommen einem manchmal die besten Ideen oder unter der Dusche!

00:15:47: Wenn man auch in dem Sinne da keine äußere Reize hat.

00:15:51: Also da kommen dann diese Dinge.

00:15:52: und das passiert eben dann, wenn dieses Default-Mode-Netzwerk sehr, sehr aktiv ist.

00:15:56: Beim Wandern habe ich das zum Beispiel ab und zu so berghoch mega am Schwitzen total am Pumpen und dann kommt er auf einmal die Ideen.

00:16:03: und da ist eben dieses Defold-Modennetzwerk für verantwortlich.

00:16:09: Und es gibt auch Studien aus Harvard und der University auf Kalifornien, die zeigen dass Kreativität unproblemlöse Fähigkeit in Phasen dieses Geisteswandern sprunghaft ansteigen also auch da einfach mal in Stille dazu sitzen sich irgendwie nicht briseln zu lassen.

00:16:27: das führt dazu dass wir Probleme besser lösen können.

00:16:31: Und es gibt noch eine weitere Studie, die zeigt auch, dass das Bewusste allein sein ohne Ablenkung die Fähigkeit verbessert seine Emotionen zu regulieren.

00:16:40: Benutzen wir ganz bewusst nicht negative oder positive Emotions.

00:16:43: Es gibt's nämlich nicht.

00:16:43: Emotion sind einfach da und Emotonen dürfen an der einen oder anderen Stelle eben reguliert werden und das unterstützt eben diese Stille auch.

00:16:53: Die Forschung hat eben dann auch mal zusammengefasst so was braucht sie denn?

00:16:58: Und da sagt man eben, dass zehn bis zwanzig Minuten täglich ablenkungsfreie Stille den Fokus verbessern können und auch Stresshormone senken können.

00:17:08: Das Default Mode Network ist nicht.

00:17:11: dein Gehirn im Leerlauf also da passiert ganz viel.

00:17:13: du schaltest das nicht aus.

00:17:15: wir sagen ja immer so ich würde gerne abschalten.

00:17:17: tatsächlich passiert es Gegenteil.

00:17:19: aber genau das wollen wir und das ist nämlich wahrscheinlich mit einer der wichtigsten Arbeit die dein Geirn so macht unserem Gehirn und somit auch uns in der heutigen Zeit kaum noch Zeit dafür.

00:17:35: Und an dieser Stelle hier noch ein Hinweis für alle Eltern, lasst eure Kinder Langeweile haben!

00:17:43: Lasst sie auch mal allein – also habt ihr natürlich bitte immer im Blick ne?

00:17:47: Nur das war sie damit meine – Langeweile bei Kindern oder dass die auch mal alleine spielen ist kein Problem, das gelöst werden muss sondern es ist ein Zustand aus dem am Ende Kreativität, Fantasie auch Selbstregulationen und auch Emotionsregulation entstehen können.

00:18:05: Und das Default-Mode Network das entwickelt sich bei Kindern gerade erst diesen Grade dabei – und lange Weile ist quasi das Training dafür!

00:18:13: Wenn wir Kinder permanent bespielen nehmen wir ihrem Gehirn in Entwicklung genau die Zeit, die es eigentlich braucht um dieses Netzwerk wirklich gut und stabil aufbauen zu können.

00:18:24: Und Forscher wie Stuart Brown zeigen nämlich außerdem das so ein unstrukturiertes freies Spiel, also spielen ohne Anleitung.

00:18:30: Ohne Bildschirm!

00:18:31: Ohne Programm!

00:18:32: Oh ne irgendwelche Erwachsenen die ständig sagen nimmer das und nimmer dass.

00:18:35: und mach mal das.

00:18:36: Das ist direkt mit emotionaler Resilienz- und Problemlösefähigkeit verbunden und auch noch mit sozialer Kompetenz.

00:18:43: Also deswegen lasst eure Kinder lange Weile haben.

00:18:46: Und für all die, die immer denken, oh Gott ich muss doch jetzt so ja.

00:18:49: Dann nehmt euch einfach mal einen Kaffee, setzt euch aufs Sofa und beobachtet euer Kind beim Spielen.

00:18:53: Wenn es was fragt dann antwortet aber seid da nicht so interaktiv mit drin.

00:18:57: also da darf ich mir auch selber an die eigene Nase fassen habe ich auch mal reflektiert.

00:19:01: ich dachte auch immer so Ja ich muss dem Kind auch irgendwas bieten.

00:19:03: das ist sich irgendwie auch entwickelt.

00:19:05: davon bin ich ziemlich abgekommen und das ist total schön zu beobachten Was denn da in dieser Ich sag mal Langeweile und dem Allein sein nicht nur bei meiner Tochter entsteht, sondern eben auch bei mir.

00:19:19: In meinem Arbeitsalltag sitze ich regelmäßig mit Menschen zusammen die auf dem Papier sehr erfolgreich sind.

00:19:26: Die haben gute Positionen, die haben ein starkes Netzwerk und volles Leben.

00:19:30: Und trotzdem kommen da immer wieder so Dinge wie ja... Ich weiß gar nicht was ich eigentlich denke, ich weiß gar nichts wo ich hin will, ich bin nur noch in einem Reaktionsmodus also das klassische Hamsterrad.

00:19:41: Das sind viele viele Coaching-Anliegen, mit denen ich arbeiten darf.

00:19:48: Und da kommt sehr häufig eben so diese Muster zum Vorschein des... Diese Menschen sind auch nie allein und die nehmen sich auch nie mal bewusst Zeit für sich.

00:19:59: Sondern da geht irgendwie der Wecker los und dann wird direkt irgendwie die Zeitung gelesen oder der Podcast gehört und in der Mittagspause dann telefoniert am besten noch eine Konferenz reingeschoben Abends dann noch die letzten E-Mails machen, zum Runter kommen noch die Serie und Licht aus.

00:20:16: Also da ist nie Stille!

00:20:18: Und in den seltenen Momenten wo dann die Stille anklopft ist sofort so oh was kann ich tun?

00:20:24: Die wird sofort vertrieben.

00:20:26: Ich schließe mich da übrigens sehr mit ein.

00:20:28: Ich bin auch so'n Mensch, ich kann sehr schlecht einfach nur da sitzen und nichts tun... ...und hab's aber jetzt die letzten Wochen wirklich vermehrt getan weil einfach sehr viel los ist und ich auch gemerkt habe wie mich zum Beispiel das Radio wahnsinnig gemacht hat an der Stelle.

00:20:43: Und ich dann gesagt habe, okay, dann fährst du jetzt einfach mal in stille Auto oder du machst morgens im Bad nicht das Radio an und es hat sich verdammt gut angefühlt.

00:20:52: Das mache ich jetzt seit Wochen und ich hab wirklich das Gefühl, dass dadurch ein bisschen mehr Entspannung wieder eben in dieses sehr hektische Leben momentan reingekommen ist.

00:21:04: Es gibt einem Psychoanalytiker, das ist der Donald Winnie-Cott.

00:21:07: Der hat auch dafür einen Begriff geprägt und da habe ich mich echt ein bisschen der Tapp gefühlt.

00:21:12: Er nannte das die diese Capacity to be alone, also die Fähigkeit allein zu sein Und er beschreibt das als eine reife Leistung Also als etwas was sich entwickelt.

00:21:24: Das ist nichts was du entweder hast oder nicht, manche Menschen können es zwar besser als andere Aber trotzdem ist es was dass sich im Prozess entwickelt und es ist eben erlernbar Und jeder von uns trägt diese Fähigkeiten in sich Und es ist total abhängig vom Außen, also von der Bestätigung von Lärm und anderen Menschen um sich innerlich stabil zu fühlen.

00:21:46: Also das ist wirklich nur wieder von uns selber abhängiger.

00:21:51: Wie ich gerade schon gesagt habe wenn man sich die Zeit nimmt einfach nur mal ein paar Minuten mit sich alleine zu sein... Das ist das was ich zum Beispiel im Coaching meinen Klienten oft empfehle.

00:22:04: nichts zu tun.

00:22:05: Einfach mal allein zu sein, auf dem Sofa zu sitzen und die Augen zuzumachen sich ein Teil mal zu stellen und zu gucken wie lange halte ich das dann aus?

00:22:11: Und es gibt da wirklich viele, die dann hinterher auch sagen so ja, das war echt das Unbequemste und das war super, super schwierig!

00:22:19: Und gleichzeitig war's irgendwie auch das schönste Erlebnis was ich sehr, sehr lange oder seit sehr langer Zeit eben auch vor allem mit mir selber hatte.

00:22:31: Jetzt nicht mit direkt so einem radikalen Rückzug.

00:22:33: Also man muss nicht sofort irgendwie für eine Woche in Schweigekluster laufen, sondern das beginnt mit diesen ganz kleinen Momenten und dieser bewussten Entscheidung die Stille, die mal da ist, nicht sofort zu füllen, sondern die einfach mal – ich will gar nicht sagen auszuhalten, sondern diese Stille einfach einmal zu halten.

00:22:50: Und das ist was Wunderwunderschönes!

00:22:54: Kommen wir zu dem, wirst du noch konkret nehmen kannst.

00:22:57: Und hier geht es auch wieder nicht nur um Meditation oder stundenlange Waldspaziergänge, sondern wie kannst du das in deinen Alltag integrieren, dass dein Default-Mode-Network einfach ein bisschen mehr Raum gibt als es das vielleicht bislang bekommen hat?

00:23:13: Und zwar lass Lücken stehen!

00:23:17: Zum Beispiel wenn der Fahrstuhl fährt oder die Warteschlange sich nicht bewegt.

00:23:22: ne?

00:23:23: Lasst das Handy in der Tasche zück's nich raus.

00:23:27: Genieß einfach mal diese zehn Sekunden Lehre.

00:23:29: Bleib einfach mal in der Schlange stehen und beobachte ansonsten die Leute oder eben deine Gedanken greift nicht automatisch zum Handy, das ist so krass wie wir das machen.

00:23:36: ich meine Beobacht im Bus, in der Bahn, in den Stadt Wie viele Leute mit ihrem Handy in der Hand rumlaufen?

00:23:42: Lass es einfach mal bewusst in der Tasche Denn genau in diesen Lücken springt dann das Default Mode Network an Und deinen Gehirn beginnt Verbindungen herzustellen.

00:23:51: Ideen entstehen, Gedanken sortieren sich und man fühlt sich hinterher einfach besser.

00:23:56: Wie Lehre sich erst mal ja aussieht oder wie es sich auch anfühlt, ist für dein Gehirn eine wahnsinnig produktive Zeit.

00:24:06: Der zweite Mindmove ist zehn Minuten ohne Regie – einmal am Tag, morgens Mittagsabend, zwar noch immer!

00:24:12: Zehn Minuten in denen du nichts konsumierst.

00:24:15: Kein Podcast, kein Social Media, kein Gespräch, kein Radio….

00:24:18: Du kannst sitzen, du kannst schauen und gehen.

00:24:21: nur keine Agenda und auch kein Ergebnis, keine Erwartungen zu haben.

00:24:26: Und zehn Minuten hört sich erst mal an.

00:24:27: so ja ist er nicht lang.

00:24:28: Starte vielleicht sogar mit einer Minute denn das wird sich am Anfang verdammt komisch anfühlen und dein Kopf wird automatisch nach der nächsten Beschäftigung suchen.

00:24:36: Das ist normal!

00:24:37: Das ist ein dopaminerisches System, dass du dann nach dem nächsten Input fragst aber bleib trotzdem bei diesem Nichts tun Denn auch hier beginnt dann wieder das Gehirn die Arbeit, die es nicht erledigen konnte als du permanent Impulse verarbeitet hast Denn Cortisol wird sinken, das Stresssystem beruhigt sich und dein medialer Preventaler Cortics kommt endlich ein bisschen zum Zug.

00:24:59: Und der ist nämlich für deine Selbsterkenntnis und für die emotionale Integration zuständig.

00:25:06: Der dritte MindMove ist eine Frage, die deinen Default Mode Network liebt.

00:25:13: Nimm dir vielleicht einmal pro Woche, einmal im Monat einen Moment ganz allein ruhig und ohne Ablenkung und stelle dir eine einzige Frage Wer bin ich gerade?

00:25:24: Und stimmt das noch mit dem überein, was mir wichtig ist und was ich über mich selber glaube.

00:25:30: Keine Antwort erzwingen sondern stoß diesen Prozess an!

00:25:34: Denn den Default-Mode-Network ist es Netzwerk, dass deine Identität konstruiert, das aus deinen Erfahrungen eine Erzählung macht und das herausfindet wer du halt bist jenseits von Rollenerwartungen und von all dem was die anderen auch in dir oder von dir sehen.

00:25:51: Diese Frage ist eine Einladung für dein Gehirn.

00:25:54: Ein paar Dinge, die vielleicht in den letzten Wochen oder Jahren stehen geblieben sind einfach mal ein bisschen tiefer sacken zu lassen.

00:26:01: Wir leben in einer Gesellschaft, die Verbindungen mit Aktivität auch oft gleichsetzt.

00:26:11: immer erreichbar sein, immer präsent sein und immer für jemandem da sein als wer der Wert eines Menschen manchmal messbar an dem Lärm, den er so produziert wie ich auch immer selber in diesen Sogerate, so wie ich anfangs auch stille als einen Leistungsausfall erlebt habe.

00:26:27: So nee!

00:26:27: Ich kann nicht nichts tun irgendwie mal still da sitzen mich lange, weil das geht nicht.

00:26:32: Als wäre der Moment, indem ich nichts tue ein verlorender Moment.

00:26:37: nur was mir die Neuropsychologie jetzt mittlerweile gelehrt hat und mir auch erklärt hat.

00:26:43: Ich bin nicht Paul mein Gehirn ist dann nicht inaktiv sondern es arbeitet an den Dingen, die genauso wichtig sind und die auch mal Raum brauchen.

00:26:53: Was wir aber bewusst gar nicht so wahrnehmen können.

00:26:55: Das arbeitet dann an meiner Identität, an meine Kreativität, in meiner Empathie und an meiner Klarheit.

00:27:01: halt für mich selber.

00:27:05: Denn wer sich mit sich selbst sehr wohlfüllt, der bringt auch in jede Beziehung eine Person mit, die wirklich was zu sagen hat ne?

00:27:12: Weil man weiß halt auch ganz genau, was man will!

00:27:14: Und das ist eben nicht jemand, der nur von den Ding von anderen lebt, sondern der ganz genau definieren kann.

00:27:20: Das bin ich!

00:27:20: Das ist mir wichtig und in die Richtung möchte ich

00:27:23: gehen.".

00:27:25: Ich hoffe du konntest heute wieder etwas für dich mitnehmen.

00:27:28: Ich freue mich auf deine Fragen, Kommentare oder Anmerkungen – und wünsche dir eine tolle Woche und freue mich wenn du auch beim nächsten Mal wieder dabei bist.

00:27:35: Mach's gut!

00:27:39: Vielen Dank dass du heute bei The Brain Behind dabei warst.

00:27:42: Wenn dir die Folge gefallen hat, abonniere super gerne im Podcast oder teil ihn mit jemandem der vielleicht auch davon profitieren könnte.

00:27:48: Wenn du ein bisschen tiefer einsteigen willst findest du in den Show Notes noch einen Link.

00:27:52: da findest Du weitere Informationen, Masterclasses und Dokumente für Dich zum Runzerladen.

00:27:57: uns selbst weiterarbeiten!

00:27:59: Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.

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